Verkehrsrecht aktuell

LG Dortmund: Widerruf Autokauf Fernabsatzgesetz

2020-10-20T08:36:52+02:00Oktober 19th, 2020|Categories: Allgemein, Kfz-Kaufvertrag, Wissenswertes|

  Das LG Dortmund hat in einem aktuellen Urteil vom 08.10.2020 (Az: 25 O 124/20) die Rechtsprechung des OLG Celle zum Widerruf eines Autokaufs auf Basis eines Fernabsatzvertrages bestätigt. Zusammenfassend lässt sich folgendes sagen: Kommt zwischen einem Verbraucher und Unternehmer ein Kaufvertrag über ein Auto zustande, ohne dass ein persönlicher Kontakt zustande kam, also ausschließlich durch Fernkommunikationsmittel (Briefe, Kataloge, Telefon, Telefax, Emails, SMS o.ä.) und wurde das Fahrzeug auf einer Internetplattform (z.b. mobile.de; autoscout.de, o.ä.) angeboten, steht dem Käufer ein 14 tägiges Widerrufsrecht zu. Das Widerrufsrecht beginnt mit Übergabe des Fahrzeuges. Wurde der Käufer auf das Widerrufsrecht nicht hingewiesen, verlängert sich dieses auf 12 Monate und 14 Tage nach Übergabe des Fahrzeuges. Jedem gewerblichen Autoverkäufer kann anwaltlich nur geraten werden [...]

Untersuchungspflicht eines Kaufmanns beim Neuwagenkauf

2020-10-15T13:25:15+02:00Oktober 15th, 2020|Categories: Allgemein, Kfz-Kaufvertrag, Urteile, Wissenswertes|

Es ist die Pflicht eines Kaufmanns (§ 1 HGB)  gem. § 377 HGB den Kaufgegenstand unverzüglich nach Übergabe zu überprüfen und bei Feststellung eines offenen Mangels, diesen unverzüglich gegenüber dem Verkäufer zu äußern. Was war geschehen? Eine GmbH leaste am 15.09.2016 für den Geschäftsführer einen Rolls-Royce zum Preis von 314.647,90 €. In einer Anlage heißt es, dass der Pkw über „Front Massage Seats“ verfügen soll. Am 03.02.2017 fand die Übergabe des Fahrzeuges statt. Ca. 1 1/2 Jahre später, im Sommer 2018, unternahm der Geschäftsführer erstmalig eine längere Fahrt mit dem Pkw und stellte mit Schreiben vom 20.08.2018 gegenüber der Beklagten fest, dass er keine Massagewirkung wahrnehme. Die Beklagte tauschte daraufhin die Sitzeinheit aus. Der Beklagte verspürte weiterhin keine Massagewirkung, so [...]

BGH: bei Probefahrt entwendetes Fahrzeug kann gutgläubig erworben werden !

2020-10-19T16:23:25+02:00September 22nd, 2020|Categories: Allgemein, Kfz-Kaufvertrag, Urteile, Wissenswertes|

Ein Urteil des BGH, dass jeder Autoverkäufer kennen sollte, das jeden Autoverkäufer aber wahrscheinlich auch ratlos zurück lässt. Der Kernsatz des Urteils lautet: "Ein Fahrzeug, das einem vermeintlichen Kaufinteressenten für eine unbegleitete Probefahrt überlassen und von diesem nicht zurückgegeben wurde, ist dem Eigentümer nicht im Sinne von § 935 BGB abhandengekommen. Dieser verliert daher sein Eigentum an dem Fahrzeug, wenn es nachfolgend durch einen Dritten in gutem Glauben erworben wird. Für Autohäuser / Autoverkäufer birgt dies einigen Sprengstoff. Was war passiert: Im September 2017 erschien bei einem norddeutschen Autohändler ein Mann, der sich für einen Kraftfahrzeug im Wert von 52.900€ interessierte. Er legte, für den Verkäufer nicht erkennbar,  professionell gefälschte ausländische Ausweispapiere, Führerschein und Meldebestätigung vor. Der Verkäufer kopierte alles, [...]

Kaskoversicherung muss Gutachten auf Verlangen zur Verfügung stellen

2020-09-17T18:04:30+02:00September 17th, 2020|Categories: Allgemein|

Im vorliegenden Fall verunfallte Ende Dezember 2017 ein betrunkener VN (2,32 Promille) mit seinem vollkaskoversichertem und geleastem Fahrzeug. Das Sachverständigengutachten wies einen netto Restwert von 22.319,33€ aus. Das Fahrzeug wurde am 07.Juni 2018 vom Leasinggeber zum Preis von 15.768,39€ netto veräußert. Der Kläger behauptet, dass er das Fahrzeug zu dem verbindlichen höchsten Kaufangebot aus dem Schadensgutachten, d.h. 6550,94€ mehr hätte verkaufen können. Voraussetzung dafür wäre aber gewesen, dass die Versicherung ihm das Schadensgutachten früher hätte zur Verfügung gestellt hätte. Der Versicherer versagte dem Beklagten am 20.Februar 2018 das Gutachten mit dem Hinweis, dass dem VN kein Versicherungsschutz wegen der verschwiegenen Trunkenheit am Steuer zusteht. Damit verletzte der Versicherer seine vertragliche Treuepflicht. Wenn der Versicherungsnehmer es verlangt, muss der Kaskoversicherer ein [...]

Wegfall des Vollkaskoschutzes durch Einbau eines leistungsstärkeren Motors?

2020-09-09T10:26:53+02:00September 9th, 2020|Categories: Allgemein|

Der Einbau eines Motors mit einer deutlich höheren Leistung, im vorliegenden Fall 298 kw statt 179 kw, stellt eine beachtliche Gefahrerhöhung in der Fahrzeug-Kaskoversicherung dar. Da hilft auch nicht der Einwand des Fahrzeugeigentümers, dass er den Einbau durch eine Fachfirma hat machen lassen. Die Niederschrift der tatsächlichen Leistungsstärke eines Kfz ist ein essentieller Punkt beim Abschluss der Kfz-Versicherung. Nimmt der Versicherungsnehmer selbst oder durch einen Dritten deutliche Änderungen an der Kilowattleistung seines Fahrzeugs vor, muss dies der Versicherung mitgeteilt werden, damit sie die Versicherungssumme gegebenenfalls anpassen kann. Das Gericht macht deutlich, dass jeder vernünftig denkende Mensch hätte erkennen müssen, dass mit dem stärkeren Motor die Gefahr eines Unfalls erhöht wird. Der Versicherer darf seine Leistung um 2/3 kürzen. Urteil vom [...]

Trotz Fehler bei Reifenmontage in Werkstatt, Mitverschulden des Kfz-Eigentümers möglich

2020-09-04T12:09:07+02:00September 4th, 2020|Categories: Allgemein, informell, Unfall, Urteile, Wissenswertes|

Am 05.04.2017 beauftragte der Kläger die Beklagte (Werkstatt/Reifenservice) an seinem Mercedes-Benz Typ C Klasse Modell C 63 AMG Sommerreifen zu montieren. Ein paar Tage später, nach ca. 100 km verunfallte der Kläger, weil sich das linke Hinterrad löste, was zu nicht unerheblichen Sachschäden führte. Die Kaskoversicherung des Klägers hat einen Großteil des Fahrzeugschadens gezahlt. Der Kläger macht in dem Verfahren die vereinbarte Selbstbeteiligung in Höhe 4715 € netto geltend, die die Kaskoversicherung abgezogen hat. Außerdem verlangt er Transportkosten in eine Spezialwerkstatt, Kosten für die Abholung, Nutzungsausfall, Kosten für einen Reifen und die Felge, Wertminderung und außergerichtliche Rechtsanwaltskosten. Insgesamt fordert der Kläger 23.918,17€, sowie 1242,84€ außergerichtliche Rechtsanwaltsgebühren nebst 5% Zinsen über dem Basiszinssatz seit Rechtshängigkeit. Der Sachverständige hat das Gericht überzeugt, dass die [...]

Kein Kaskoschutz, wenn Fahrer Fahrbahnschwelle übersieht ?

2020-09-02T14:35:00+02:00September 2nd, 2020|Categories: Allgemein, Urteile, Wissenswertes|

Fährt ein vollkaskoversichertes Fahrzeug über eine Fahrbahnschwelle und erleidet dadurch einen Schaden, ist dies kein Unfall, der von der Kaskoversicherung abgedeckt wird, so jedenfalls das OLG Stuttgart. Sachverhalt: Der Kläger fuhr, laut eigenen Angaben, mit seinem Fahrzeug bei einer Geschwindigkeit von ca. 30-40kmh über eine quer zu Fahrbahn angelegten Fahrbahnschwelle. Diese hatte er wegen Schneebedeckung und Dunkelheit nicht gesehen. Das Kfz erlitt hierbei einen Totalschaden. Das OLG sah hierin keinen den Vollkaskoschutz auslösenden Unfall. Unfall wird von der Rechtsprechung definiert als: ein unmittelbar von außen plötzlich mit mechanischer Gewalt auf das Fahrzeug einwirkendes Ereignis. Geht ein Fahrzeug hingegen „aus sich heraus“ kaputt, ist das als sog. Betriebsschaden in der Vollkasko nicht versichert. Beispiel: Die Motorhaube ist nicht korrekt geschlossen, öffnet [...]

Neue StVO und kein Ende

2020-08-20T17:20:47+02:00August 20th, 2020|Categories: Allgemein, Fahrerlaubnis, Fahrverbot, informell, Wissenswertes|

Die neue StVO besagt ab Ende April: bei 21 km/h innerorts und 26 km/h außerorts, einmonatiges Fahrverbot. Diese Verschärfung der StVO ist derzeit außer Vollzug gesetzt, weil ein formeller Fehler vorliegt. Seit Wochen ringen Bund und Länder um eine Lösung, wie es nun weitergeht.  Im Nachhinein sah sogar das Bundesverkehrsministerium den einmonatigen Verlust des Führerscheins bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung ab 21 bzw. 26km/h als unverhältnismäßig an. Bundesverkehrsminister Scheuer hat nun einen Kompromissvorschlag vorgelegt: die Geschwindigkeitsgrenzen bleiben erhalten - die Sanktionen werden entschärft. Man verliert den Führerschein bei einem erstmaligen Verstoß, wenn der bzw. die FahrerIn mit mindestens 21 Kilometern pro Stunde zu schnell in einer Tempo-30-Zone vor Schulen und Kindergärten geblitzt wird. Wer grundsätzlich mit 21 km/h zu schnell innerorts fährt, [...]

Autofahrer aufgepasst ! Blick nach hinten kann grob fahrlässig sein.

2020-08-18T10:54:06+02:00August 18th, 2020|Categories: Allgemein, informell, Unfall, Urteile, Wissenswertes|

Während einer Autofahrt darf der Kfz-Führer nur sehr kurz und ohne vollständiges Umdrehen zu einem Kind auf der Rückbank schauen. Anderenfalls handelt der Fahrer grob fahrlässig und muss bei einem Unfall evtl. einen Teil des Schadens selbst tragen. Sachverhalt: in einem gemieteten Fahrzeug war ein Mann mit seinem rechts hinter ihm sitzenden Sohn auf der Autobahn unterwegs. Bei einem kurzen Blick über die Schulter registrierte der Fahrer, dass sein Sohn etwas in der Hand hielt, das der Mann nicht sofort erkennen konnte. Er befürchtete, es könne ein gefährlicher Gegenstand sein, deshalb beendete er in stockendem Verkehr einen Fahrspurwechsel und drehte sich nun vollständig um. Dabei sah er ein vor ihm abbremsendes Motorrad zu spät und fuhr auf dieses auf. Bei [...]

Keine Erstattung der Tierarztkosten, wenn Haustier sich unter Auto versteckt und angefahren wird.

2020-08-14T12:02:13+02:00August 14th, 2020|Categories: Allgemein, Urteile, Wissenswertes|

Autofahrer sind vor dem Losfahren nicht dazu verpflichtet nachzuschauen, ob sich eine Katze unter ihrem Wagen versteckt hat. Befindet sich dort ein und wird es verletzt, muss der Fahrer nicht dafür haften. Die freilaufende Katze der Klägerin hatte sich unter einem Fahrzeug versteckt. Als das Auto losfuhr, wurde die Katze angefahren und musste in eine Tierklinik. Die Kosten von rund 2337 Euro wollte die Frau vom Fahrer erstattet haben, und die erste Instanz gab ihr Recht. Das Landgericht wies die Klage im Berufungsverfahren allerdings ab und begründete dies mit der sogenannten Tiergefahr. Es entspricht demnach der tierischen Natur, sich unberechenbar und selbstständig zu verhalten. Gerade freilaufende Katzen verstecken sich typischerweise und man kann nicht wissen, wo sich das Tier gerade [...]

BGH: Menschen mit Behinderung müssen sich Rabatt bei Unfallregulierung anrechnen lassen

2020-08-07T14:22:31+02:00August 7th, 2020|Categories: Allgemein, informell, Urteile, Wissenswertes|

Personen, die wegen einer körperlichen Behinderung einen Nachlass für ein neu angeschafftes Kfz erhalten, müssen sich diesen Nachlass bei der Schadensregulierung anrechnen lassen. Zum Sachverhalt: Die behinderte Klägerin verunfallte im März 2017 mit ihrem neuwertigen Fahrzeug. Daraufhin kaufte Sie sich ein neues Fahrzeug und erhielt wiederum einen Behindertennachlass i.H.v. 15%. Die Klägerin verlangte zu den unstreitigen tatsächlichen Anschaffungskosten für ein gleichwertiges Fahrzeug, zusätzlich den Nachlassbetrag i.H.v. fast 5000 € von der gegnerischen Haftpflichtversicherung. Diesen Betrag hatte sie als behinderte Person beim Erwerb des neuen Kfz  gespart. Der BGH ist der Meinung, dass die Klägerin nur den Ersatz der Anschaffungskosten in Höhe der ihr tatsächlich entstandenen Kosten beanspruchen kann. Andernfalls würde sie sich durch den Unfall und den Schadensersatz bereichern. Merke: [...]

Touchpad-Bedienung = Handyverstoß

2020-08-04T16:38:44+02:00August 4th, 2020|Categories: Allgemein, Fahrverbot, informell, Urteile, Wissenswertes|

So sah es das OLG Karlsruhe als es 200€ Geldstrafe und ein einmonatiges Fahrverbot gegen einen Teslafahrer aussprach. Der Fahrer hatte bei Starkregen die Intervallfrequenz seines Scheibenwischers über den Zentralbildschirm geänderte und fuhr dabei gegen einen Baum. Das OLG Karlsruhe sah in dem erforderlichen Aufrufen eines Untermenüs über das Touchpad  eine "vorschriftswidrige Benutzen eines elektronischen Geräts". Gem. § 23 Abs. 1a Nr.2b der StVO, darf man den Blick von der Straße nur „kurz“ abwenden, um Geräte zu bedienen. Die Bedienung des Touchpads, mit Aufrufen eines Untermenüs, wurde vom Gericht nicht als kurz gewertet. Außerdem erfordert es deutlich mehr Aufmerksamkeit als die Nutzung eines regulären Wischerhebels bzw. Drehrädchens. Merke: Sobald der Fahrer das Handy oder ein elektronisches Gerät zur Kommunikation, Information [...]