Neues zum Restwert – Autohäuser / Sachverständige aufgepasst!

Neues zum Restwert – Autohäuser / Sachverständige aufgepasst!

Fachanwalt für Verkehrsrecht Matthias Preuss

Grundsatz:

Ein Geschädigter darf das verunfallte zu dem Preis veräußern, den ein vom ihm eingeschalteter Sachverständiger in einem Gutachten, das eine korrekte Wertermittlung erkennen lässt, als Wert auf dem allgemeinen regionalen Markt ermittelt hat. Ein Unfallgeschädigter muss weder eigene Marktforschung betreiben, noch einen Sondermarkt für Restwertaufkäufer im Internet berücksichtigen und auch nicht dem Schädiger oder dessen Haftpflichtversicherung vor der Veräußerung Gelegenheit geben, ein höheres Restwertangebot vorzulegen.

Neue Ausnahme:

In einer ganz aktuellen Entscheidung hat der BGH aber eine Einschränkung für Unternehmen vorgenommen, die sich selbst mit dem An – und Verkauf von gebrauchten Fahrzeugen befassen. (BGH, Urt. v .25.06.2019, VI ZR 358/18) Im vorliegenden Fall handelte es sich um ein Autohaus.

Der Pkw der Betreiberin eines Autohauses wurde am 29.02.2016 bei einem Verkehrsunfall beschädigt. Der von dem Autohaus beauftragte Sachverständige ermittelte einen Restwert des beschädigten Fahrzeugs von 9.500,00 €. Die Klägerin verkaufte daraufhin ihr Fahrzeug zu diesem Preis am 23. März. Am 24. März legte die beklagte Versicherung dem Autohaus ein erhöhtes Restwertangebot von 17.030,00 € vor.

Da die Klägerin das Fahrzeug zu diesem Preis natürlich nicht mehr veräußern konnte, da es schon für 9.500,00 € verkauft war, lehnte sie das erhöhte Angebot ab und bestand weiterhin auf Auszahlung der vollen Differenz zwischen dem Wiederbeschaffungswert (Wert vor dem Unfall) und den erlösten 9.500,00 €. Die Haftpflichtgesellschaft wollte allerdings die 17.030,00 € abziehen und daher etwa 7.500,00 € weniger zahlen.

Es kam zur Klage, die letztlich vor dem sechsten Senat des BGH landete. Dieser entschied, dass die Regeln die für private Geschädigte und auch fachfremde Unternehmer gelten, nicht auf fachkundige Geschädigte, wie z.B. Autohäuser anzuwenden sind.

Wer ein Autohaus betreibt, dem sei die Inanspruchnahme des Restwertmarktes im Internet und die Berücksichtigung der dort abgegebenen Angebote ohne weitere zuzumuten. Es sei nach Auffassung des BGH sogar „geradezu unvernünftig“ diese Verwertungsmöglichkeit außer Acht zu lassen. Dadurch, dass das Autohaus den Restwert allein auf Basis des Gutachtens realisiert hat, ohne von ihren besonderen individuellen Erkenntnis- und Einflussmöglichkeiten Gebrauch zu machen, habe es das Risiko übernommen, dass sich der erzielte Erlös als zu niedrig erweise, so der BGH.

Es bleibt also festzuhalten: Für nicht fachkundige Geschädigte ändert sich nichts. Der BGH stellt auch noch einmal explizit klar, dass er hier an seiner bisherigen Rechtsprechung festhält.

 

Fachkundigen Unternehmen ist die Inanspruchnahme des Restwertmarktes im Internet allerdings laut BGH zumutbar, sie können das Fahrzeug folglich nicht mehr ohne weiteres zu dem für den regionalen Markt ermittelten Restwert verkaufen, ohne dass Sie das Risiko eingehen, dass der Haftpflichtversicherer Ihnen ein erhöhtes Restwertangebot anrechnet.

Im Ergebnis muss der Sachverständige in dem oben genannten Fällen bei der Ermittlung des Restwertes auch den überregionalen Internetmarkt berücksichtigen, ansonsten drohen teure Überraschungen.

 

 

 

2019-08-20T09:07:06+02:00August 19th, 2019|Categories: Allgemein, Urteile|